Welcome to Rishikesh!

Zwei Jahre sind seit meinem ersten Yoga Teacher Training im südindischen Goa vergangen und es ist Zeit für eine weitere Reise ins ferne Land des Yoga. Next Destination on my Yoga Path: Rishikesh.

Rishikesh liegt im nördlichen Bundesstaat Uttarakhand und gilt als “Yogahauptstadt” dieser Welt. Am Fuße des Himalaya erstreckt sich der heilige Ganges in dem sich Hindus frei von ihren Sünden waschen. Yogis von überall kommen hierher, um an spirituellen Zeremonien teilzuhaben, den Ursprung des Yoga zu erkunden oder sich als Lehrer ausbilden zu lassen.

Als ich meine erste Recherche für ein geeignetes Yoga Teacher Training machte hatte das riesige Angebot an Yogaschulen und Lehrerausbildungen eine abschreckende Wirkung auf mich. Scheinbar machte die Kommerzialisierung von traditionellen Praktiken wie Yoga und der damit einhergehende Massentourismus auch keinen Halt vor heiligen Orten wie Rishikesh. Doch wäre es nicht fatal sich eine Meinung über etwas zu bilden ohne eigene Erfahrungen gesammelt zu haben? Wo doch gerade das traditionelle Yoga eine Wissenschaft der Erfahrung ist in der wir die Selbsterkenntnis erweitern und von jeglicher Wertung abraten!

Zwei Jahre später war der Punkt schließlich gekommen. Nachdem ich mir die “Autobiographie eines Yogi” von Paramahansa Yogananda (Pionier der traditioneller Yoga Praktiken in der westlichen Welt) zugeführt hatte war der Drang nach spiritueller Weiterbildung so groß, dass ich ohne weitere Recherche meine 300 Stunden Ausbildung im fernen Rishikesh buchte.

Am Fuße des Himalaya und an den Ufern des heiligen Fluss Ganges liegt das Pilgerstädtchen Rishikesh.

Flug & Anreise

Die Anreise nach Rishikesh gestaltete sich anstrengender als erwartet. Langstreckenflüge bin ich ja gewohnt und bei der ausgezeichneten Filmauswahl, die Emirates zu bieten hat, freue ich mich stets auf meinen 6-Stunden-Film-Marathon auf dem Weg nach Asien. Doch nach einer schlaflosen Nacht mit Colin Farrel über den Wolken (gibt schlimmeres oder?) konnte ich mir gemütlicheres als den Teppich am Flughafen von Delhi vorstellen. Von hier aus starten mehrmals am Tag die Flieger nach Dehradun, der Flughafen, der Rishikesh am nächsten ist.

#Tipp: Yogamatte im oder als Handgepäck (so kannst du langes Warten mit Asanas oder einem extra langem Shavasana überbrücken) UND: Ohropax (die Bollywoodmusik am Delhi Flughafen kommt wahrscheinlich dem indischen Großtadtflair nahe, als Lullaby ist sie allerdings weniger geeignet).

Ganz nach südasiatischer Manier ließ auch der Flieger zur finalen Destination auf sich warten. Nach meinem zehnten Powernap (die ja erholsamer sein sollen als unser Tiefschlaf) und X Stunden Flug kam ich dann schließlich am kleinen, dafür übersichtlichen Airport von Dehradun an, wo mich der bestellte Fahrer bereits mit Namensschild erwartete. Als Entschädigung für das Warten gab ich ihm den Kit Kat, den man mir während des einstündigen Flugs zum vegetarischen Sandwich gereicht hatte – da ich die Zeit, die ich am Flughafen von Delhi hätte nutzen können, um Geld umzutauschen, verpennt hatte.

#Tipp: Indisches Geld am Flughafen Delhi eintauschen! So hast du zumindest etwas in der Hand falls du den Taxifahrer warten lassen musst.

Mit Schokolade lassen sich hier nicht nur die Taxifahrer bestechen. Essen sollte man vor den Affen allerdings lieber versteckt halten.

Rishikesh

Der Weg von Dehradun nach Rishikesh beträgt 20 km. Bei mäßigem Verkehr (hängt ganz von der Kuhdichte auf den Straßen ab) erreicht man den in den Bergen versteckten Ort in etwa 40 Minuten. Genügend Zeit also für ein weiteres Powernap, der immerhin bis zum nächsten Hubbel auf der nur mäßig asphaltierten Straße anhält, welcher dich unsanft daran erinnert, dass du dich nicht im weichen Bett daheim, sondern auf dem Weg in das geheimnisvolle Rishikesh befindest – Fair enough!

Unter den etwa 70 000 Einwohnern des nordindischen Pilgerorts scheint hier jeder zweite ein spirituell weit entwickelter Yogi zu sein. Alte indische Männer mit Bärten und in oranger Kutte gehüllt findet man hier genauso wie man sie auf einer Postkarte vermuten würde (die hier übrigens gar nicht so leicht zu finden sind!).

Neben Kühen, die durch Straßen schlendern, oder sich für ein Mittagsstündchen im Schatten der engen Gassen niederlassen, trifft man hier auf den ein oder anderen Affen. Ich bin ein riesengroßer Affenfan und mir dennoch bewusst darüber, dass selbst das süßeste Monkeyface zum Biest mutieren kann. Wertgegenstände sollten daher gut verwahrt bleiben!

#Tipp: Kein Essen mit dir herumtragen! Sowohl die Affen als auch kleine indische Kinder mit großen braunen Kulleraugen kommen und machen dich um den einen oder anderen Coconutcake ärmer – wo wir auch schon bei Tipp #2 wären: Auf gar keinen Fall die Leckereien der German Bakery verpassen. Der Name mag abschreckend klingen, aber statt Bienenstich gibt es nicht nur guten Kaffee, sondern selfmade Cookies und Cakes ganz nach Yogi-Geschmack: Definetly go for Coconut Chocolate Balls!

Ein Yogi der einen Kampf zwischen zwei halbwüchsigen Kühen passiert: Business as usual in Rishikesh.

Geschichte

So wie scheinbar alles in Indien hat auch Rishikesh eine mystische Geschichte zu teilen: Einst lebten die zwei Brüder Rama und Lakshman hier. Nach ihnen sind die zwei Teile Rishikeshs, die durch den Ganges geteilt werden benannt.

Der Legende nach überquerte der jüngere Bruder Lakshmana den Ganges mithilfe von zwei massiven Juteseilen. Ihm zu Ehren wurde daher die fast 87 Meter lange Hängebrücke gebaut, die nach Lakshman Jhula führt.

#Tipp: Wer zu Klaustrophie oder Schwindel neigt sollte die Brücke lieber von der Ferne bestaunen und zumindest während der Rushhour meiden. Neben hupenden Mopeds und Kühen bleibt den einheimischen Touristen hier kaum noch Platz, um ein Selfie am Rande der runf 87 Meter langen Brücke zu schießen!

Von Ram Jhula aus erreicht man Laxman Jhula mithilfe der massiven Hängebrücke, die über den heiligen Fluss Ganges führt

Kultur

Wer auf der Suche nach Spiritualität ist wird in Rishikesh definitiv fündig. Nicht umsonst gilt der Pilgerort als einer der heiligsten Städte der Hindus. Doch auch ohne religiösen Background ist hier jeder “Suchende” willkommen. Jedes Lächeln wird hier mit einem wohlwollendem “Namasté” belohnt und spätestens das Zusammenleben von Yogi, Normalsterblichen, Hund und Kuh zeigt: Rishikesh brodelt vor lauter positiver Energie 😉

#Tipp: Tempels und Ashrams findet man in Rishikesh fast so häufig wie Batik Hosen in Goa! Einen ersten Eindruck der Spiritualität in Rishikesh bekommt man bei der täglichen “Puja Zeremonie”, die jeden Abend pünktlich zum Sonnenuntergang am Ganges stattfindet. Direkt um die Ecke gewährt der Parmath Niketan Ashram weitere Einblicke in das hingebungsvolle Leben der Hindus und Yogis.

Der Neelkanth Mahadev Tempel wurde zu Ehren des Hindu Gotts Shiva erbaut.

Shopping

Die Vielfalt an Shoppingmöglichkeiten in Rishikesh macht es dem Yogi schwer, das Verlangen nach materiellen Dingen abzustellen, wie es auf dem spirituellen Weg des Yoga ja eigentlich gepredigt wird. Bei der riesigen Auswahl an Yoga Equipment und Accessoires wird wohl der noch so disziplinierteste Yogi schwach.

Das Schöne: Viele der angebotenen Dinge sind handgefertigt und folgen daher dem Prinzip des Dharma. Warum also nicht die Handarbeit des hingebungsvollen Schmuckmachers unterstützen wenn das aus Rudrashka hergestellte Mala der eigenen Meditationspraxis zu Gute kommt? 😉

Das Gleiche gilt natürlich auch für die liebevoll genähten Meditationskissen, die handgewebten Yogamattenteppiche und die Leggins, die es bei Lululemon & Co mit Sicherheit nicht gibt!

#Tipp: Mit möglichst leerem Backpack anreisen – und mit vollem zurück! Vor allem was Yoga Literatur angeht kann man hier ne Menge Geld sparen! Doch da gerade Bücher und die massiven (dafür sehr günstigen) Kupferstatuen von Ganesha & Co viel wiegen, sollte man auf die Kilozahl der Fluggesellschaft achten und sich entsprechend vorbereiten. Alles was man zum Leben braucht kann man vor Ort zu günstigen Preisen bekommen: Seien es Wäscheklammern, Wasserkocher oder die 85 prozentige Zartbitterschokolade von Lindt (die 99 prozentige konnte ich bisher nicht finden ;-)). Im Idealfall dann den Kram hier lassen und den nächsten anreisenden Yogi beglücken.

Traditionelle Malas werden aus Rudrashka Samen hergestellt

Food

Wer auf authentisches Essen steht ist in Rishikesh genau richtig. Die ausgewogenen Gerichte der ayurvedischen Küche treffen hier auf die ausgefallenen Gewürze der indischen Landeskost. Wem das hauptsächlich auf Gemüse basierende Essen zu langweilig wird bleiben immer noch die am Straßenrand frittierten Samosa. Und auch für die Befriedigung westlicher Geschmäcker ist gesorgt: Mittlerweile gibt es in Yogas Welthauptstadt auch Burger & Co. Selbstverständlich vegetarisch (in ganz Rishikesh sind der Verzehr von Fleisch & Alkohol strikt verboten) und NICHT von Mc Donalds 😉

#Tipp: Abseits des Yoga Tourismus in Ram Jhula und Laxman Jhula findet man in Rishikesh Town das wohl “indischste”Essen der Umgebung. Wer auf scharfes Essen in authentischer Atmosphäre steht fragt die Locals nach dem Rhastiani Restaurant.

Für authentisches indisches Essen: Watch out for Chotiwala in Ram Jhula. Die etwas furchteinflößenden Männer mit geschminkten Gesichtern und traditionellen Zöpfen vor der Tür sind nicht zu übersehen 😉