Bin ich selbstbewusst?

Selbstbewusst sein ist sexy. Doch wann bin ich denn wirklich selbst bewusst? Wenn ich mich richtig auf meiner Instagram Story inszeniere oder wenn ich auf authentische Weise das repräsentiere was ich bin? Sich geschickt nach Außen zu verkaufen ist ein Talent, das voraussetzt zu wissen, wie man auf andere wirkt. Die wahre Kunst allerdings liegt darin zu wissen, wer man wirklich ist und was man dadurch tatsächlich bewirken kann.

Indem wir uns auf allen Ebenen mit uns Selbst verbinden, können wir das undenkbar wertvolle Potential in uns entfachen. Im Hatha Yoga, welches heutzutage ein großes Spektrum entwickelt hat und für die westliche Welt in all seiner Vielfalt zugänglich ist, geht es eigentlich darum den Körper auf die Meditation vorzubereiten. Die verschiedenen Asana (Yogaposen), die wir einnehmen, tragen zur Gesunderhaltung der Wirbelsäule bei, die im Yoga als heilig gilt:

Die Öffnung der Hüften bereitet uns auf das lange Sitzen in der Meditation vor, die letztlich der Weg zu uns Selbst ist. Der Atem dient als Brücke zwischen Körper und Geist indem wir ihn im Körper spürbar werden lassen, um den Monkey Mind – wie wir ihn im Yoga gern nennen – immer wieder einzufangen sobald die Gedanken ihn davontragen.

Die gezielte Arbeit mit unserem physischen, emotionalen und energetischen Körper bringt uns zurück zu tieferen Ebenen unseres Seins, die nicht unmittelbar etwas mit dem zu tun haben, was wir dem Außen vermitteln – oder wie wir uns eben auf dem Instagram Kanal inszenieren.

Denn mal ehrlich: Glaubst du wirklich, dass dein Kopf als antreibende und der Körper als ausführende Kraft alles sind, was du zu bieten hast?

Wann immer ich die Matte betrete und in Verbindung mit mir Selbst gehe, hilft mir Yoga mich wieder mit meiner Essenz, meinem Kern zu connecten. Endlich komme ich wieder bei mir und meinen Wurzeln an.

Der Spirit, der mich mit mir Selbst verbindet, aber auch mit allem anderen. Denn im Yoga gehen wir davon aus, dass wir alle derselben Quelle entspringen. Wirst du dir darüber bewusst, gehst du mit einem anderen Bewusstsein durch das Leben. Gut verwurzelt, stets verbunden und getragen: unerschütterlich dem gegenüber, was die Welt da draußen versucht dir zu verkaufen.

Wenn wir eine Haltung auf der Matte einnehmen tun wir das nicht, um einem standardisierten Idealbild gerecht zu werden. Wir tun es, um uns Selbst bewusst zu sein und in den Einklang mit der wahren Natur zu kommen. Das, was wir in uns tragen, reflektieren wir früher oder später nach Außen.

Nicht umsonst sagen wir im Yoga gern: Drop the Ego. Auf der Matte brauchen wir nichts zu beweisen, lediglich zu SEIN. Das ist für unseren ambitionierten und auf Leistung getrimmten Verstand manchmal gar nicht so leicht, denn er ist es gewohnt, stets auf ein bestimmtes Ziel hinzuarbeiten. Alles andere würde ja bedeuten wir müssten uns mit dem IST-Zustand auseinandersetzen oder ihn gar AKZEPTIEREN – unvorstellbar für das Drama liebende Ego-Schweinchen.

Wir Menschen mit unseren Egos sind eben geistige Messis; haften an Gedanken, Wünschen und Träumen, die uns inspirieren an, und schmeißen die Sachen, die wir nicht brauchen oder mit denen wir uns nicht auseinandersetzen wollen in den Keller. Füllen wir unser Kämmerchen namens Unterbewusstsein bis ins Unermessliche, züchten wir eine tickende Zeitbombe heran. Niemandem gelingt es ein Leben lang eine Fassade aufrechtzuerhalten. Aber warum denn auch? Ist doch viel zu anstrengend!

Welches Monster schlummert in dir?

So wie es in unserer Hand liegt mit welchem Input wir den Geist nähren, liegt es auch in unserer eigenen Verantwortung die Zeitbombe in uns zu entschärfen sobald wir sie entlarvt haben. Manchmal stoßen wir dabei auf unangenehme Themen, die das kleine Monster namens Schweinehund natürlich lieber verdrängen würde – vor allem dann wenn es um das Thema Gefühle geht. Doch das regelmäßige Ausmisten unseres emotionalen Komposthaufens lohnt sich.

Fakt ist nämlich: Wenn wir nicht bereit sind den Dingen klar ins Auge zu blicken, werden wir stets in ihrem Schatten stehen. Da lohnt es sich doch hin und wieder den aufrechten Sitz einzunehmen sich von dem geistigen Müll in uns zu befreien. Je länger er da liegen bleibt desto mehr fängt er nämlich an zu stinken – oder im schlimmsten Fall Schimmel und Pilze anzusetzen und sich zu vermehren. Und wer hat schon Bock auf so eine Schweinerei – außer vielleicht der innere Schweinehund?

Emotionaler Detox

Studien haben gezeigt, dass Yogis nach Ausführung von Meditation, Atemübungen und Asanas eine höhere Frequenz von Alphawellen aufweisen. Die Alpha Gehirnwellen schwingen in einem gemächlicheren Tempo und versetzen das Hirn in eine Art Ruhezustand in welchem es in der Lage ist Eindrücke und Gefühle besser wahrzunehmen. Erst wenn wir im Stande sind uns unseren Emotionen bewusst zu sein, können wir sie annehmen und uns schließlich von ihnen lösen.

Meditation, Pranayama (Atemübungen) oder sanfte Formen wie Yin Yoga, die sich weniger auf äußere körperliche Aktivität und mehr auf den Atem konzentrieren, können dabei helfen angestaute Emotionen aufzuarbeiten, um sie schließlich loszulassen.

Yin Yoga auf YouTube

Ich hoffe sehr du fühlst dich inspiriert dich dem eigenen inneren Schweinehund anzunehmen. Du musst ihn nicht ja nicht gleich fallen lassen wie ne heiße Kartoffel, aber vielleicht kannst du ihm ab und zu ne kleine Pause gönnen, um dich stattdessen selbst mal fallen zu lassen.

Dir bewusst machen: Du bist so viel mehr als das, was das Außen von dir erwartet oder das Ego von dir verlangt.

Und wann räumst du mal auf?

Du möchtest auch mal ausmisten? Dieses Jahr nehmen wir uns ein ganzes Wochenende Zeit auf allen Ebenen ins Reine zu kommen: Körperlich, mental und emotional.

Ich freu mich dir auf der Matte zu begegnen.

Quellen:

Spektrum Gesundheit 02.21 / Artikel: Yoga wie es auf unser Bewusstsein wirkt, Stella Marie Hombach