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Fit mit Faszien

faszien

Faszientraining, Faszienmassage, Faszienworkout. Auf einmal sind sie überall: Faszien. Tatsächlich waren die Faszien schon überall bevor sie ihren derzeitigen Fitnesshype erlebten. Und überall bedeutet in diesem Sinne tatsächlich: überall!

 

Das vergessene Sinnesorgan

Der gesamte menschliche Körper wird durch komplexe Faszienstrukturen zusammengehalten. Ohne sie wären wir lediglich ein Haufen bestehend aus Knochen, Muskeln und inneren Organen. Selbst unsere Sehnen und Bänder, die Gelenke und Knochen miteinander verbinden und stabilisieren, sind nichts weiter als Faszien. Ein gesundes und straffes Bindegewebe stützt und formt uns. Darüber hinaus erledigt es eine ganz entscheidende Aufgabe muskulärer Bewegungsabläufe. Die Kraft die in einem Muskel entsteht, wird stets an die anliegenden Faszien gegeben. Das aus Kollagen und Elastin bestehende Faszienmaterial ermöglicht es Energie zu speichern und wieder abzugeben. Aufgabe der Faszien ist es also die Kraft vom Muskel weiter an die Knochen zu leiten! Und es geht noch weiter: Faszien vermitteln nicht nur zwischen Muskeln und Knochen, sondern kommunizieren eigenständig mit dem Nervensystem. Verschiedene Arten von Rezeptoren geben Informationen an das Gehirn weiter und beeinflussen somit die gesamte Körperwahrnehmung. Nicht umsonst wird das fasziale Bindegewebe mittlerweile als sechstes Sinnesorgan bezeichnet. Ohne Faszien wäre unser Körper nicht nur ein zusammengefallener, sondern auch ein gefühlsloser Haufen!

Faszien als Ursache chronischer Schmerzen

Obwohl das bindende Gewebe derart wichtig ist wurde es lange Zeit schlichtweg ignoriert. Das ist nicht nur unfair den Faszien gegenüber, sondern auch von großer Bedeutung für viele bisher unerklärte chronische Schmerzen. Mittlerweile haben Forscher herausgefunden, dass Faszien eigene Schmerzrezeptoren besitzen. Das birgt neue Möglichkeiten für die Erklärung von bisher ungelösten Schmerzsymptomen. Bei Bewegungsmangel verkleben Faszien und drücken durch ihre verdickte Struktur auf Nerven, die wiederum Schmerzen verursachen. Auch einseitige oder falsche Belastungen können negative Folgen auf die Faszien haben. Entstehen Risse oder Verletzungen in der Gewebestruktur werden falsche Signale an den Muskel gesandt. Die Folge sind muskuläre Störungen und Verspannungen. Vor allem Schmerzen im unteren Rücken können im Zusammenhang mit verkümmerten Gewebestrukturen stehen. Die im Lendenbereich sitzende Lumbalfaszie ist besonders schmerzempfindlich, da sie durch ihre Größe mit vielen sensiblen Rezeptoren bestückt ist.

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Faszienrollen werden zur Massage oder zum funktionellen Workout genutzt

 

Mit Schwung zum straffen Bindegewebe

Doch was tun gegen verklebtes oder verletztes Fasziengewebe? Die ernüchternde Antwort ist: Sporttreiben allein genügt nicht. Bei vielen Sportarten sind Bewegungsabläufe zu einseitig und fordern nur bestimmte Partien des Körpers – und somit der Faszien. Die gute Nachricht ist, dass man die Faszienpflege problemlos und ohne großen Aufwand in die gewohnten sportlichen Aktivitäten sowie den Alltag integrieren kann. Das nach Deutschlands führendem Faszienforscher Robert Schleip konzipierte Faszientraining beinhaltet sowohl schwingende als auch stabilisierende und dehnende Übungen, die in den meisten Sportarten vernachlässigt werden. Dazu gehört die Selbstmassage einzelner Körperteile mithilfe von speziellen Faszienrollen, die mittlerweile in verschiedenen Größen, Formen und Härtegraden erhältlich sind. Dynamische und wippende Dehnübungen erreichen nicht nur einzelne Fasziengebiete, sondern ganze Faszienbahnen. Zusätzliches Schwingen oder gar Hüpfen regt die biomechanische Arbeitsweise der Faszien an und erweitert ihre Speicherfähigkeit, die für eine reibungslose Muskelarbeit notwendig ist. Neben dem speziellen Faszientraining wirken sich Sportarten und Entspannungstechniken wie Trampolinspringen, Yoga, Tai Chi und Qi Gong positiv auf das Fasziengewebe aus.

Experten empfehlen, sich mindestens zwei Mal wöchentlich für zehn Minuten ganz bewusst seinen Faszien zu widmen. Nach vielen Jahren in denen wir unserem größten Sinnesorgan keine Beachtung geschenkt haben sollte das nicht zu viel verlangt sein!

 

Tipps zur täglichen Faszienpflege

 

Arm MassageAm Schreibtisch:

Mit einer Faszienrolle oder einer Wasserflasche den Unterarm ausrollen. Vor allem durch das ständige Arbeiten am Computer leiden die Faszien in den Unterarmen durch einseitige Belastungen. Das langsame Massieren löst verklebtes Bindegewebe und steigert die Faszienaktivität.

 

 

 

FüßeZuhause:

Barfußlaufen und bewusst die Fußsohlen sensibilisieren. Dabei die Füße einzeln ganz ausgiebig kreisen, bewegen und mit der Verteilung des Gewichts auf den einzelnen Fuß spielen.

 

 

 

Beim Treppensteigen:Achillessehne

Beim (idealerweise Barfuß) Treppensteigen die Achillessehne dehnen. Gerade für Menschen die viel laufen, joggen oder zu Fuß unterwegs sind, ist der kräftige Faszienstrang von Bedeutung. Beim Treppen laufen einfach mal innehalten und nur den Fußballen auf der Treppenstufe ablegen. Die Ferse in der Luft lassen und aktiv nach unten ziehen. Spüren, dehnen und den Winkel verändern.

 

 

Beim Zähneputzen:

Mit einem Golfball die Fußsohle ausmassieren. Die Plantarfaszie unter’m Fuß ist eine der dicksten Faszien des menschlichen Körpers. Durch das Ausrollen wird die Produktion von Flüssigkeit und somit der Stoffwechsel der Faszie angeregt.

Beim Schuhe Anziehen:

In der Vorwärtsbeuge in wippenden Bewegungen die Fingerspitzen Richtung Boden bringen. Die Knie bleiben dabei gebeugt und der Rücken locker. Verändere den Winkel in dem du den Bewegungsradius um deine Füße vergrößerst. In etwa so als würdest du rund um dich herum etwas vom Boden aufsammeln.

Zwischendurch:

Einfach mal hüpfen, springen und tanzen – ganz unkonventionell und ohne tiefere Bedeutung. Dabei sollten möglichst viele Körperteile dynamisch und in verschiedenen Winkeln bewegt werden. Auch hier haben besonders schwingende Bewegungen positive Wirkung. Wer Probleme damit hat dies in der Öffentlichkeit zu tun kann das natürlich ganz privat daheim machen. Das wirkt sich besonders auf die Faszien im Fuß- und Wadenbereich aus und wer hätte das gedacht: Auch Frust und Ärger lassen sich damit ganz leicht abschütteln!

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2 Comments

  1. aras says:

    Ich kann den Golfball wärmstens empfehlen 😀

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